Bin ich wirklich gesund?

Oder sollte die Frage eher lauten: Ab wann gelte ich als krank?

Jeder von uns fühlt sich mal „nicht gut“. Oft stecken wir das einfach weg oder ignorieren es. Irgendwie muss es ja weitergehen. Der Alltag sitzt uns im Nacken: Die Arbeit wartet, der Haushalt ruft und die Familie, der Partner usw. sind ja auch noch da. Doch irgendwann wird es lästig, wenn wir uns dauerhaft erschöpft, müde, unkonzentriert oder schlecht gelaunt fühlen. Wenn wir schlecht schlafen, ohne erklärlichen Grund zu- oder abnehmen oder sich Haut und Haare ins Negative verändern, wird es frustrierend.

Irgendwann, wenn der Leidensdruck zu groß wird, überlegen wir dann doch, uns einmal durchchecken zu lassen. Wir gehen zum Arzt oder Therapeuten unserer Wahl und geben unsere Symptome in die Hände kompetenter Fachkräfte, die es ja wissen müssen. Es wird dann vielleicht ein Blutbild angefertigt, das ein oder andere Vitamin überprüft, vielleicht auch einmal der Glukose- oder Cholesterinwert kontrolliert.

„Soweit ist eigentlich alles okay.“

Soweit? Was genau bedeutet das denn?

Die Werte tanzen vielleicht nicht komplett aus der Reihe – ein bisschen Zucker hier, ein bisschen zu viel Fett da, die roten Blutkörperchen vielleicht etwas größer und das Hämoglobin ein wenig vermindert – aber alles noch in der „Norm“ oder im „Referenzbereich“. Soweit, so gut – oder?

Mir ist an dieser Stelle wichtig zu sagen: Ich möchte hier keine Kritik an unserem medizinischen System oder an den Menschen üben, die darin arbeiten. Im Gegenteil – ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Ärzten und Therapeuten. Meine Gedanken in diesem Artikel basieren vielmehr auf meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.

Denn der Mensch fühlt sich trotzdem nicht gut – und damit ist eben auch nicht alles okay.

Unser Körper ist unbeschreiblich komplex. Ich persönlich glaube, dass wir die unzähligen Vorgänge vielleicht auch nie vollständig verstehen werden. Laborwerte können uns wichtige Hinweise geben, sind aber letztlich immer Momentaufnahmen von Prozessen, die ständig in Bewegung sind. Einige Laborwerte allein können daher nicht immer das gesamte komplexe Zusammenspiel in unserem Körper vollständig abbilden. Sie zeigen uns wichtige Richtungen und Hinweise – aber nicht immer das ganze Bild.

Die Suche nach der Nadel im Bluthaufen

Wie bereits erwähnt, ist unser Körper ein faszinierendes, ausgeklügeltes, intelligentes und unglaublich komplexes System. Unzählige Vorgänge greifen jede Sekunde ineinander und sind aufeinander abgestimmt, damit wir atmen, sprechen, laufen und denken können.

Ein Beispiel: Jede Sekunde produziert unser Körper etwa 3 Millionen neue rote Blutkörperchen (!!!).

Damit das funktionieren kann, braucht unser Körper – ähnlich wie beim Backen – alle nötigen „Zutaten“. Eine wichtige Rolle spielen dabei zum Beispiel Hormone, die den Körper anregen, neue Blutzellen zu bilden. Spurenelemente wie Eisen werden für das Hämoglobin benötigt, bestimmte B-Vitamine sind wichtig für die Zellteilung und Aminosäuren dienen als grundlegende Bausteine.

Doch was passiert, wenn eine dieser Zutaten fehlt?

Unser Körper ist erstaunlich clever konstruiert und verfügt über eine Vielzahl von Anpassungsmechanismen, um seine wichtigsten Abläufe möglichst lange stabil zu halten. So kann beispielsweise über längere Zeit ein Eisenmangel bestehen, während der Hämoglobinwert noch im Referenzbereich liegt. Erst wenn dieser Wert deutlich unter die Referenz fällt und gleichzeitig andere Werte stärker aus dem Gleichgewicht geraten, sprechen wir von einer Krankheit – zum Beispiel einer Eisenmangel-Anämie. Die Eisenspeicher im Körper können jedoch schon lange Zeit vorher deutlich reduziert gewesen sein. Und genau in dieser Phase treten häufig Symptome auf: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Energielosigkeit, Konzentrationsprobleme oder depressive Verstimmungen. Der Körper sendet also schon früh Signale, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Prävention beginnt viel früher

Genau hier liegt für mich ein entscheidender Punkt.

Wir müssen nicht immer warten, bis aus einem Ungleichgewicht eine klare Diagnose oder eine Krankheit entsteht. Unser Körper sendet oft schon viel früher Hinweise darauf, dass etwas nicht mehr optimal läuft. Vielleicht fühlen wir uns über Wochen oder Monate nicht richtig leistungsfähig. Vielleicht schlafen wir schlechter, sind schneller gereizt oder haben das Gefühl, dass unsere Energie einfach nicht mehr so da ist wie früher. Diese Beschwerden sind häufig keine Einbildung. In vielen Fällen können sie Hinweise darauf sein, dass der Körper gerade versucht, mit einem Mangel, einer Belastung oder einem Ungleichgewicht umzugehen. Prävention bedeutet deshalb nicht nur, Krankheiten zu verhindern. Prävention bedeutet vor allem, frühzeitig aufmerksam zu werden, bevor aus kleinen Verschiebungen größere Probleme entstehen.

Es geht darum, genauer hinzuschauen:

  • Was braucht mein Körper gerade?
  • Welche Nährstoffe könnten möglicherweise fehlen?
  • Welche Belastungen gibt es in meinem Alltag?
  • Und welche Möglichkeiten habe ich, frühzeitig gegenzusteuern?

Je früher wir beginnen, unseren Körper zu verstehen und zu unterstützen, desto größer ist die Chance, dass er wieder in sein natürliches Gleichgewicht zurückfindet.

Gesundheit entsteht nämlich selten erst im Moment der Behandlung.

Gesundheit entsteht jeden Tag – durch die vielen kleinen Entscheidungen, die wir für unseren Körper treffen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und soll ein Bewusstsein für präventive Gesundheitsmaßnahmen schaffen. Er ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder Therapeuten.